Aus den Wander-Kladden

Rund um Irland 2001

Resümee


Da standen wir also auf dem nördlichsten, dem südlichsten, dem westlichsten und dem östlichsten Punkt der „Grünen Insel“, fuhren ihre Küsten am Atlantischen Ozean, am Nordkanal, an der Irischen See, am St. Georgskanal, an der Gälischen See und wieder am Atlantik, lernten bunte touristen-trubelige Orte kennen, fanden uns in wild-karger Einsamkeit wieder, sahen dramatische Klippenbilder, träumten an sanftbusigen Buchten, hörten dem Sehnsuchtsgesang der Iren zu, tranken ihr unvergleichliches Guinness, wurden unruhig in den quirligen grauen Städten, ließen uns genussvoll den herben Geruch der Torffeuer in die Nasen steigen, aßen uns das Irische Breakfast über, schauten Steinhausgräber und zerfallene Burgen, ließen uns vom reinen Irland-Regen die Körper waschen und vom unendlich wehenden Wind die trüben Festlandsgedanken aus den Köpfen blasen. Der von mir verehrte B.B. würde an dieser Stelle sicherlich sinngemäß sagen:
„Herr K., was haben Sie da in Irland bloß so romantisch geglotzt?!“
Na, klar! Ein wenig genauer haben wir selbstverständlich auch hingeschaut und hingehört und manches bemerkt und kennengelernt, was an der irischen Gegenwart und Geschichte durchaus nicht romantisch ist und eher traurig stimmt. Land und Landschaften lassen neben vielem Schönen eben auch Narben und Wunden erkennen. Entwicklungen werden sichtbar, die einem um die Zukunft dieses Landes am Rande Europas bange werden lässt. Sein Besonderes droht unterzugehen. Was die sportliche Seite anbetrifft, vielleicht so viel zur Zusammenfassung:
Wir haben schon einige Langstreckenfahrten der Art „Rund um…“, „Längs durch…“, „Entlang der…“ bewältigt. Aber die Irlandfahrt, obwohl nicht unsere längste Wanderung, war wohl doch die Anspruchsvollste.
Diese Irlandfahrt war die Fahrt
– mit den niedrigsten Durchschnittstemperaturen,
– mit den meisten Regentagen (38 von 70)
– mit den anspruchvollsten und längsten Schotterwegen,
– mit den gemeinsten Steigungen,
– mit den meisten Kantenwinden,
– mit der eintönigsten Nahrung…

Von Pannen blieben wir weitgehend verschont. Anne stürzte einmal heftig über mein stehendes Fahrrad, was zu einem äußerst farbigem Bluterguss führte und einen Arztbesuch notwendig machte. Mich fletterte es einmal in den Schotter, wobei es mit durch eine gekonnt Rolle gelang, größere Verletzungen zu vermeiden. Leider bekam der Rahmen meiner Schaltung einer mächtigen Hieb mit, so dass er seine normale Form und Fassung verlor. Anne erwischte es hässlich in Belfast, sie wurde von heftigen Schwindelanfällen überfallen, bekam Orientierungsschwierigkeiten, ihr wurde mit sichtbaren Folgen kotz-übel. (Wir waren am Abend vorher nicht in einem Pub ver­sackt, wie ich betonen muss.) Also ließ ich sie mit Blaulicht in das Hospital fahren, wo man wegen des Datums 20. Juni gut gerüstet war.
Nachdem sich einige Ärzte kopfschüttelnd mit der deutschen Radwanderin beschäftigt hatten, kam eine HNO-Kollegin, die folgende Diagnose stellte: Durch den ständigen irischen Wind, der sich auch in Annes kleine Ohrmuscheln tummelte, hatte sie eine Ohrentzündung bekommen, die wiederum auf die Gleichgewichtsknöchelchen schlug, was bei ihr zu den erwähnten Wirkungen führte. Wenn das jetzt hier ein bisschen jammervoll klang… die schönen Eindrücke über­wiegen. Und wie immer nach solchen Touren, fragen uns die Kinder, die Freunde und Bekannten – manche verständnislos, manche ein wenig neidisch – haben sich denn diese Anstrengungen gelohnt? Und wir versuchen dann deutlich zu machen, dass durch solch Erleben Erinnerungen bleiben, die zwar im Laufe der Jahre verblassen, die aber im Langzeitgedächtnis nicht gelöscht werden.
Wenn der Guinnessdurst nicht so groß gewesen wäre, hätte ich jeden Abend eine kleine Geschichte aufschreiben können. So blieb es bei meinem „Irischen Tagebuch“, mit dem ich selbstverständlich nicht das Irische Tagebuch von Heinrich Böll übertreffen kann.

Mittelmeer

Campingplatz „Les Saladelles“

in Carnon Plage01.                                                                              5. Juni 2008

 

Am Morgen. Frühstücken vor dem Zelt. Malte sammelt die Frühstücks-Essenreste in wertvolle Tupper-Verpflegungsbox. Er will die Abfälle nach dem Essen entsorgen. Die praktische Box dient ansonsten zum Aufbewahren der Verpflegung für unterwegs.

Nach dem letzten Schluck Kaffee Malte zu Anne: „Ich bringe den Abfall weg.“

Anne zu Malte: „Wirf aber nicht die Tupper-Box mit in den Müllcontainer!“

Malte zu Anne: „Aber Anne …!“

Malte macht sich auf dem Weg zum Container, erledigt die übernommene Aufgabe und kehrt zum Zelt zurück. Gleich darauf sieht er das Müllauto mit dem Inhalt des geleerten Containers in einer Staubwolke verschwinden.

Wenig später hat Anne die Stullen für die Stärkung während kommenden Stunden und Wanderkilometer geschmiert und belegt. Sie wendet sich an Malte:
„Ich will die Verpflegung einpacken. Wo ist denn eigentlich die Tupper-Verpflegungsbox?“

Malte schweigt und fällt in eine tiefe Depression …

 

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