Mittwoch, 13. August, 2025, Berlin, 10:00 Uhr
Sitze ich nach den üblichen Morgengeschäftigkeiten endlich am Arbeitstisch. Hier in meiner studentischen Altmännerklause in den „Matthiasgärten“, dem „Betreuten Wohnen“. 89,8 Jahre alt. Soll heißen: Bin ich der 89 Jahre und acht Monate alt. Ist heute der 13. August 2025. Weiß ich und geht mir auf dem Weg in den neuen Tag hinein nicht aus dem Kopf:
Ich weiß genau, wo ich heute vor 64 Jahren war und wie ich mich fühlte.
Heute von 64 Jahren?
- Errichtung des „Antifaschistischen Schutzwalls“
2. Errichtung der „Mauer“
Dies die beiden Lesarten oder Deutungs-Festschreibungen für das historische Ereignis, von dem hier die Rede bzw. Erinnerung ist.
64 Jahre ist das nun schon her. Nicht zu fassen – dieser Zeitrutsch!
Ich? 25 Jahre alt! Sollte mich Ende August 61 zum Beginn meines neuen Berufs Lehrer an der Kinder- und Jugendsportschule „Werner Seelenbinder“ Berlin melden. An jenem fernen 13. Augusttag lag ich gegen zehn Uhr des Vormittags im warmen Ostseestrand-Sand und grübelte. In Glowe auf Rügen. Wie es wenig später im DDR-Ländle zu dem Spruch „Jeder Doofe einmal in Glowe!“ kam und inwiefern ich auch ein Doofer wurde … das ist eine andere Geschichte.
Ich lag also am Ostseestrand und grübelte über zwei Probleme:
1. Brichst du sofort den Urlaub ab und meldest dich vorzeitig bei deiner neuen Arbeitsstelle und bei deiner künftigen Parteigruppe? Meldest dich beim Direktor: Ich bin der neue Lehrer. Genauer: der Lehramtsanwärter.
Meldest dich anschlieißen beim Parteisekretär.
2. Was ist da los? Grenze – Mauer – Schutzwall?
Wie soll das in Berlin gehen? Sicherung der Staatsgrenze: Wie soll das aussehen?
Meine Entscheidung über die Urlaubsdauer damals:
Ich fuhr wie geplant Ende August zurück nach Berlin.
Was die Große Lage anbetraf, dachte ich:
Die Schließung der Grenze:
Das kann nur eine kurzfristige Maßnahme sein,
höchstens anderthalb/zwei Jahre.
Das war 1961 meine feste Überzeugung. Dann setzte eben nach dieser Zeitspanne bei mir ein Gewöhnungsprozess ein. Der erfasste die Bürger der DDR unterschiedlich stark oder gar nicht. Oder verflüchtigte sich im Laufe der Jahre.
So war das an jenem 13. August 1961 mit mir. Und doch hatte ich damals ein unbestimmtes mulmiges Gefühl
… im Großen und Ganzen und im Kleinen und Persönlichen.
Der heute alte Malte